Ulrike Möschel "long way"
04 SEP 09 - 24 OKT 09

o. T. (weiße Rutsche)
2009
Metall, Lack, Risse in Wand
2,09 x 68 x 3,51 m

o. T. (Kufenwiege)
2009
Holz, Lack
67 x 92 x 35,4 cm

o. T. (Insektenvideo)
2009
Videoarbeit mit Sound (Glockengeläut, Martinshorn)
58 min.

o. T. (vergoldeter Alarm)
2009
Blattgold (Orange, Doppel Gold, 22,5 Karat)
Ø 14 cm

o. T. (weiße Schaukel)
2009
Holz, Lack, Seil, Silberdraht, Weißgold (12 Karat)
2,43 x 0,45 x 18,5 m

Paradieshüpfen
2009
ESG-Glas
Auflage: 3
2,99 x 1,44 cm
Ulrike Möschels Ausstellung long way thematisiert Umbrüche und Neudeutungen vertrauter Alltagsobjekte. Sie reflektiert Raum- und Wandsituationen, stellt diese in Bezug zueinander.
Bei Ihrer Videoarbeit ist ein auf der Wand still sitzendes Insekt in überdimensionierter Größe zu beobachten. Durch die auffällig lange Regungslosigkeit des Tieres scheint das sonst bewegte Medium Video still zu stehen. Ein Spiel mit der Zeit. Das erzählerisches Moment fehlt. Kommt es jedoch zur Bewegung wird diese mit dem Läuten von Kirchenglocken sowie mit dem Klingen des Martinshorns unterlegt.
Die auditive Wahrnehmung der Geräusche findet ihre Visualisierung im vergoldeten Alarm des gegenüberliegenden Fensters. Der Alarm nimmt Bezug auf die Sirene im Video. Durch das Gold kann eine Referenz zu den Kirchenglocken hergestellt werden. Zudem wird Ulrike Möschels evidente Auseinandersetzung mit Materialien sichtbar. Sie verwendet noble Metalle wie Blattgold, oder Weißgold. Blattsilber integriert sie in einer Wandbeschädigung.
Damit ist ein Bezug zu den zarten, fast zeichnerisch wirkenden Rissen gegenüber hergestellt. Diese sind offensichtlich durch das Gewicht, die Kraft der Rutsche entstanden. Die Wand ist regelrecht aufgerissen. Das einstige Spielzeug scheint in einem brachialem Akt zusammengedrückt worden zu sein. Die Szenerie lässt an einen Verkehrsunfall erinnern. Ein eingefrorener Moment, der das zeitliche Davor mit reflektiert.
Die perfekte Lackierung der Kufenwiege korrespondiert mit dem kalten Weiß der Rutsche. Auch hier ist zerstörerische Moment immanent. Die Wiege wurde zersägt, zur Hälfte in die Wand eingelassen. Eine Benutzung ist unmöglich. Die Situation wirkt absurd, die Leere der Wiege geradezu beklemmend.
Auch die Schaukel im hinteren Ausstellungsraum kann nicht mehr benutzt werden. Es entsteht ein bizarres Bild, ausgelöst durch die Beschädigung der ansonsten makellos wirkenden Schaukel. Die weißen Kordeln sind angerissen, werden lediglich durch wenige, filigrane Weißgoldfäden zusammengehalten. Das Gefühl eines drohenden Absturzes ist allgegenwärtig.
Selbst das Hüpfspiel wurde seiner alltäglichen Funktion entledigt, wirkt nahezu martialisch. Es wurde anstelle von Kreide mit zerbrochenen Glas gezeichnet, ausgelegt. Bei der Benutzung würde es zu tiefen Schnittwunden an den Füßen kommen.
Alle Objekte sind verfremdet, deformiert. Sie sind nicht benutzbar, bedeutenden bei ihrer Benutzung Gefahr und Verletzung.
Ulrike Möschel (Jg. 1972) studierte in Münster bei Ulrich Erben und Timm Ulrichs, sowie an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Jannis Kounellis. Sie wurde 1999 Meisterschülerin und verließ 2001 die Akademie. Seit 2007 hat die Künstlerin einen Lehrauftrag an der Bergischen Universität Wuppertal.
Ihr Arbeiten waren in zahlreichen Ausstellung, u. a. im Kunstverein Bochum, in der Städtischen Galerie Remscheid, im Museum Baden in Solingen sowie im Museum Kunstpalast in Düsseldorf zu sehen.
Annika Heidkamp M. A.