Vera Lossau "Dead drop"

19 JUN 09 - 25 AUG 09
Black and Blues, Ausstellungsansicht Galerie Rupert Pfab
Black and Blues, Ausstellungsansicht Galerie Rupert Pfab
2009
Kacheln, handgefertigte, glasierte Keramik
Maße variabel, einzelne Kachel
ca. je 20 x 20 cm

Ausstellungsansicht Galerie Rupert Pfab
Ausstellungsansicht Galerie Rupert Pfab
Blacks and Blues
Kacheln, handgefertigte, glasierte Keramik
2009, Maße variabel, einzelne Kachel ca. je 20 x 20 cm

o. T. (Hund aus Pomeji)
Gips, weiß lackiert
2009, je 50 x 50 x 32 cm

o. T.
Öl auf Leinwand, genäht
2009, 30 x 40 cm

Ausstellungsansicht Galerie Rupert Pfab
Ausstellungsansicht Galerie Rupert Pfab
Pinturas Negras
2009
Gips, schwarzer Lack,
je 18 x 24 cm, 24 x 30 cm, 30 x 40 cm, 80 x 90 cm

o. T.
2009
Abgüsse zerplatzter Reifen, patiniert und poliert
je 80 x 15 cm


Saturn, Koloss, o.T., Ausstellungsansicht Galerie Rupert Pfab
Saturn, Koloss, o.T., Ausstellungsansicht Galerie Rupert Pfab
Saturn
(nach Goya)
2009,
Keramik,
9 x 9 x 17 cm; 16 x 23 x 23 cm; 20 x 11 x 11 cm

o. T.
o. T.
2009
Gips, weiss lackiert
50 x 50 x 32 cm
Unikat

o. T.
o. T.
2009
Acrystal, Lack
115 x 57 cm

o. T.
o. T.
2009
Gipsguss
42 x 58 cm

Vera Lossau hat für Ihre Ausstellung einen programmatischen Titel gewählt. „Dead drop“ bedeutet toter Briefkasten. Die Werke sind schweigsam und verschlüsselt.
Die Künstlerin thematisiert in ihrer Ausstellung die Produktions- und Präsentationsbedingungen von Kunst. Dabei arbeitet sie immer auch an der Erweiterung des Material- und Skulpturbegriffs und bezieht das Erzählerische als Kategorie mit ein. Denn gerade die Dramatik ihrer neuen Skulpturen, die sie in Anlehnung an archäologische Funde aus Pompeji zeigt, greifen narrative Elemente auf. Der im Todeskampf erstarrte, auf dem Boden liegende Hund bezieht sich auf einen solchen antiken Fund. In Pompeji wurden nur die Abdrücke von menschlichen und tierischen Leichnamen gefunden. Die Archäologen gossen sie mit Gips aus und erhielten somit Formen der Verschütteten.

Auch wenn sich Vera Lossau mit der Kunstgeschichte auseinander setzt, bleibt es nicht bei bloßen Zitaten. So greift sie dekorative Details aus Kunstgeschichte und Architektur auf und überführt sie nach Prozessen der Zerlegung und Zerstörung in neue Kontexte. So erstreckt sich über die gesamte Wandfläche eine Installation aus ornamentierten Kacheln. Die flächigen Muster werden aufgebrochen, die Kacheln selbst sind als eigenständige Bilder aufgefasst, die Spuren des Arbeitens, wie Unebenheiten, Risse oder Blasen als Verweise der Vergänglichkeit offenbaren. Die Arbeit an den Kacheln geht auf intensive Studien zurück, die die Künstlerin u.a. nach Spanien, Portugal und in den Iran führten.

An die Reflexion kunsthistorischer und kulturphänomenologischer Zusammenhänge erinnern auch die schwarz gefärbten Gipsabgüsse durchschnittener Leinwände, die sich auf Francisco de Goyas „pinturas negras“ beziehen. Hier spannt sich ein Bogen zum Abguß des toten Hundes, denn auch die nun zerstörten Bilder waren einst bemalt. Erinnerungen an Lucio Fontana, der in den sechziger Jahren Leinwände aufgeschnitten hatte, sind hier unübersehbar und als Referenz an diesen Künstler zu verstehen. Die in den Gemälden bis zum Schwarz gesteigerte Dunkelfarbigkeit, als geheimnisvoll, melancholisch beladene existenzialistische „Farbe“, lässt nicht mehr erkennen als sich selbst und vermag etwas zu verbergen, das es offen zu legen gilt. Die Psychologie sieht Schwarz als Ausdruck des Verzichts. Einen noch direkteren Bezug zu Goyas „schwarzen Gemälden“, sind die in Skulpturen überführten Motive des Kolosses, des Saturn, der seine Kinder frißt und des Hundekopfes, die sämtlich Goyas Bildern entlehnt sind.

Es ist der Moment oder der gewollte Prozess des Umwandelns gegebener Situationen aus der Zerstörung und der Vergänglichkeit hin zu einer positiven Weiterentwicklung und Auflösung, der im Zentrum des inneren Ringens und der künstlerischen Sprache von Vera Lossau steht. Dieser Augenblick der Magie des Wandels aus einer Katastrophe, einer ausweglosen Situation, einem Nichts heraus lässt verstehen, was die Künstlerin für sich „konstruktiven Nihilismus“ nennt.
So ist es auch bei den zerplatzten Autoreifen. Es sind reale Relikte zerstörerischer Unfälle, polierte Bronzeabgüsse von edler Schönheit und somit Reliquien der Vergänglichkeit unserer sehr flüchtigen Existenz.

Das facettenreiche Werk Vera Lossaus meidet stets die allzu naturalistische Darstellung und über­führt die Thematik in eine eigene, nie allzu strenge, bisweilen aber auch humorvolle Form.

Vera Lossau (jg. 1976) studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Rita McBride und Magdalena Jetelova und war bereits in mehreren Einzelausstellungen zu sehen, darunter im Kunstverein Mönchengladbach (2005), im Stadtmuseum Hattingen (2008) und im Ernst & Young Artforum in Düsseldorf (2008). Bis 30. August ist sie in der Bergischen Kunstausstellungen im Museum Baden in Solingen und von 27. Juni bis 23. August in der Städtischen Galerie Remscheid zu sehen.