Frauke Dannert, Heiko Räpple "Opus caementitium"
17 APR 09 - 13 JUN 09

Frauke Dannert, Heiko Räpple
"opus ceamentitium"
Ausstellungsansicht: Galerie Rupert Pfab, 2009

Ausstellungsansicht Galerie Rupert Pfab
Frauke Dannert, Heiko Räpple
2009
"opus ceamentitium"

Frauke Dannert, Heiko Räpple
"opus ceamentitium"
Ausstellungsansicht: Galerie Rupert Pfab, 2009

Frauke Dannert
o.T.
2009
Papiercollage, MDF, Stahlrahmen
110 x 130 cm

o.T.
2008
Papiercollage, Holz
28 x 23 cm

o.T.
2007
Siebdruck, Aluminium
48 x 60 cm

Amerika
2008
Wachs
37 x 39 x 31 cm

Heiko Räpple
Uncini
2008
Beton
70 x 147 x 26 cm

Morph
2008
Beton
25 x 31 x 12 cm
Auflage: 7
Der Ausstellungstitel „opus caementitium“ stammt von der lateinischen Bezeichnung für eine betonähnliche Substanz aus Steinen, Sand und Kalkstein, mit der die Römer bereits vor mehr als 2000 Jahren arbeiteten.
Die Sprache der Materialien von Heiko Räpple und Frauke Dannert knüpft an einen Materialdiskurs an, den die Kunstgeschichtsschreibung seit ihren Anfängen führt. Dabei galten besonders wertvolle Materialien, wie Gold als ebenso ungeeignet, um „wahrhaft gute Kunst“ zu schaffen, wie sogenannte „niedrigere“ Materialien, wie Wachs, Gips, Holz und Ton. Somit galt der Kunsttheorie der physische Stoff allgemein lange Zeit als größte Belastung für ein Kunstwerk.
Die beiden Künstler, die in der Ausstellung opus cemetitium erstmals ihre Arbeiten in einen Dialog setzen, stellen Fragen zur Materialität ihrer Kunst.
Lange galt in der Kunstgeschichte ein Gegensatz, ja fast ein Konflikt zwischen der Wertigkeit des Werkstoffs und der Geistigkeit der Kunst. In der „idealistischen Ästhetik“ des 19. Jahrhunderts, vor allem bei Hegel, der den Sinn der Weltgeschichte und damit auch Wesen und Ziel der Schönen Künste im Aufsteigen zum „absoluten Geist“ sah, war die Ablehnung der Materialität des Kunstwerks fast zwanghaft. Die drei von ihm postulierten Phasen der Kunstgeschichte seien durch den Wandel des Verhältnisses von physischem Stoff und Idee gekennzeichnet: Die früheste Periode der Kunst, die „symbolische“, sei durch ein Übergewicht des Stofflichen über die Idee geprägt, die zweite, klassische, erreiche den Ausgleich zwischen Stoff und Idee, und erst die dritte, die „romantische“, bringe die Überwindung des Stoffes durch die Idee.
Heiko Räpple verwendet in seinen Skulpturen scheinbar nachrangige Materialien wie Beton, Gips, oder Wachs. Er schafft Bildwerke, die sich erst durch ihre poetischen Titel vollenden. Sie stellen Bezüge zu Gegenständlichem her. Es gelingt Räpple den Beton aus seiner unmittelbaren Äußerlichkeit als mechanische schwere Masse zu befreien. Die Skulptur wird bei ihm organische Figuartion der Materie.
In vergleichbarer Weise arbeitet Frauke Dannert. Auch sie greift in ihren Collagen aus Papier auf scheinbar nachrangige Alltagsmaterialien zurück. Aus zahlreichen Einzelteilen formt sie ein Bild und setzt der Entropie der Bildwelt eine Ordnung entgegen. Fotokopien, Bilder aus dem Internet und Zeitungsausschnitte, also Bilder, die eine Funktion hatten und durch unendliche Reproduktion entwertet wurden, erhalten durch die Collagen eine neue Bedeutung, einen neuen Wert. Wichtig sind bei ihr auch die Bildträger, wie alte Holzplatten, Kupfer- oder Pressspanstücke, die als Hintergrund fungieren und deren Materialität und Farbigkeit in die Bilder einbezogen werden.
Frauke Dannert (Jg. 1979) studierte an der Kunstakademie in Münster und an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Prof. Thomas Grünfeld.
Heiko Räpple (Jg. 1981) studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und ist Meisterschüler von Prof. Didier Vermeiren. Er erhielt 2009 den RölfsPartner Förderpreis und nimmt in diesem Jahr an der 63. Bergischen Kunstausstellung im Museum Baden in Solingen teil.