Ulrike Möschel
So feel und so wenig
25 MAI 07 - 07 JUL 07

Schwarze Tür
Holz, schwarzer Tafellack, Metall, zerbrochenes VSG Glas
230 x 100 + variable Bodenfläche, ca. 1,5 m²
2007
Gegenüber der gläsernen Eingangstür der Galerie, wurde eine Blendtür, die mit schwarzem Tafellack überzogen ist, installiert. Aus ihrer Verkleidung quillt zerbrochenes Sicherheitsglas.

Schwarze Tür (Detail)
Holz, schwarzer Tafellack, Metall, zerbrochenes VSG Glas
2007
230 x 100 + variable Bodenfläche, ca. 1,5 m²

Schwarze Tür (Detail), Ausstellungsansicht Galerie Rupert Pfab
2007
Holz, schwarzer Tafellack, Metall, zerbrochenes VSG Glas
230 x 100 + variable Bodenfläche, ca. 1,5 m²

Ausstellung "so feel und so wenig"
Installationsansicht
Galerie Rupert Pfab, 2007

Eingriff ins Stromnetz N° 4
Seilleuchte, Müllsack, Palme, Blumentopf, Dreck von der Straße, Moos, Silikonkabel, Größe abhängig von Raumsituation
2007
Eine Seilleuchte leigt in einer Raumecke auf einem Müllsack mit Erde, Moos, Pflanzen- und Straßendreck. Die Leuchte wird in die Stromzufuhr einer Neonröhre der Raumbeleuchtung geschaltet. Somit verhindert die Seilleuchte, dass die Neonröhre mit ausreichend Strom versorgt wird. Seil- und Neonleuchte nehmen sich gegenseitig den Strom weg. So blinken sie abwechselnd im "Streit" um ihre Stromversorgung.

Eingriff ins Stromnetz N°4 (Detail)
2007
Seilleuchte, Müllsack, Palme, Blumentopf, Dreck von der Straße, Moos, Silikonkabel
Größe abhängig von Raumsituation

Etüde N° I
Videoinstallation mit Ton
2007
3:55 Minuten

Zeichnungen
2007

Zeichnungen
2007
21 x 15 cm und 30 x 21 cm

Textarbeiten
diverse Techniken
2004 - 2007
je 21 x 15 cm

ich bin daneben
Lack auf Papier
2006
21 x 15 cm

schlaflos
Kreide auf Lack auf Papier
2005
15 x 21 cm

Ideenskizze Gehweg
2007
nicht realisierte Arbeit für die Galerie Rupert Pfab
Ein Bürgersteig aus Steinplatten erstreckt sich über die gesamte Länge des Ausstellungsraumes und endet an dessen Stirnseiten. Er scheint gleichsam aus der Tiefe des Raumes, teilweise unter Heizkörpern, hervorzustoßen und in einer herkömmlichen Bordsteinkante zu enden. Die Steinplatten zeigen Spuren der Abnutzung, Flecken, Schmutz, zwischen den Ritzen ist Vegetation zu sehen. Hier geschieht ein Durchbrechen von Grenzen, das Aufeinanderstoßen von Außen- und Innenraum und somit die Konfrontation von unterschiedlichen Realitätsformen. Die steinerne Fläche umschließt einen Mauervorsprung des Innenraumes und schafft somit eine Verbindung des unmerklich separierten Galerieraumes. Die verbindende Qualität der Arbeit setzt sich in den realen Außenraum fort: der Gehweg vor der Galerie scheint sich seine Bahnen in die Räume gebrochen zu haben, die Grenzen sind verschoben.

Ausstellung "so feel und so wenig"
Installationsansicht
Galerie Rupert Pfab, 2007

Etüde N° I
Videoinstallation mit Ton
2007
3:55 Minuten
Zeichnung. Installation. Videoprojektion
Ulrike Möschel (*1972) präsentiert in ihrer ersten Einzelausstellung, die in der Galerie Rupert Pfab zu sehen ist, Installationen, Videos, Textarbeiten und erstmalig auch Zeichnungen. Die ehemalige Absolventin der Düsseldorfer Kunstakademie ist bekannt für ihre Auseinandersetzung mit Räumen, bei denen sie sich mit Fragen der Abgeschlossenheit und Transformation, der Gefahr und Zerbrechlichkeit beschäftigt. Diese Thematik verfolgt sie kontinuierlich, variiert und verknüpft sie. Bisweilen entstehen dabei irritierende Eingriffe in räumliche Situationen.
Es bilden sich Momente der Bedrängnis, deren zerstörerisches Potential bisweilen sehr subtil, aber auch mit voller Wucht auf den Betrachter einwirken kann. Vertraute Gegenstände werden in ihrer herkömmlichen Funktion hinterfragt, verwandelt oder manipuliert, so daß sie zu Irritationen oder Störfaktoren werden. Gleichzeitig können sie dabei eine plastisch-vitale Qualität mit humorvollem Unterton gewinnen.
1) Schwarze Tür
Eine Holztür mit Rahmen in stumpf-schwarzem Tafellack, mit einer Türklinke in mattem Stahlglanz, die darauf plastisch hervortritt und den Betrachter zur Betätigung auffordert, wird vor eine Wand montiert. Doch aus dem Türblatt quillt grünlich-schimmerndes, zerbrochenes Glas hervor, das sich in feine Kristalle auflöst und auf dem Boden vor der Tür ausbreitet.
In dieser Arbeit greift Ulrike Möschel das Thema von Verbindung und Grenze, des Durchdringens von innen und außen auf; hier in Form einer Innentür, die einen dahinter liegenden Raum verspricht, den es zu erkunden reizt. Doch diese Tür verwehrt die Möglichkeit, sie bewahrt ihr Versprechen, ihr Geheimnis. Sie wird zu bloßem Architekturfragment, dennoch inhaltlich aufgeladen durch eine hochgradig assoziative Ebene.
Die Glassplitter bergen einen optisch schönen Reiz das Funkeln und Schimmern des sich in ihnen brechenden Lichtes erinnert an kleine Edelsteine, die sich auf den Boden ergossen haben, sie verlocken zum Anfassen. Gleichzeitig schreckt das zerborstene, scharfkantige Glas, das aus dem Türblatt hervorquillt, vor Berührungen ab. So verbinden sich in dieser Arbeit Gegensätze aus Faszination und Abstoßung, Verführung und Bedrohung, die für ihre Arbeiten charakteristisch sind. Der Betrachter bleibt in diesem subtilen Spannungsverhältnis auf sich alleingestellt.
2) Gehweg
Auf andere Weise thematisiert Ulrike Möschel das Verhältnis Innen- und Außenraum in der geplanten, aber nicht realisierten Installation "Gehweg". Hier verwendet sie ein urbanes Element, das aus der Organisation des Straßenverkehrs eine separierende sowie eine hierarchisierende Funktion besitzt. Ein Bürgersteig aus Steinplatten (30x30 cm) erstreckt sich über die gesamte Länge des Ausstellungsraumes und endet an dessen Stirnseiten. Er scheint gleichsam aus der Tiefe des Raumes, teilweise unter Heizkörpern, hervorzustoßen und in einer herkömmlichen Bordsteinkante zu enden. Die Steinplatten zeigen Spuren der Abnutzung, Flecken, Schmutz, zwischen den Ritzen ist Vegetation zu sehen. Hier geschieht ein Durchbrechen von Grenzen, das Aufeinanderstoßen von Außen- und Innenraum und somit die Konfrontation von unterschiedlichen Realitätsformen. Die steinerne Fläche umschließt einen Mauervorsprung des Innenraumes und schafft somit eine Verbindung des unmerklich separierten Galerieraumes, darüber hinaus wird der Besucher eines architektonischen Elementes gewahr, dem er zuvor kaum Beachtung geschenkt hätte. Die verbindende Qualität der Arbeit setzt sich auch in den realen Außenraum fort: der Gehweg vor der Galerie scheint sich seine Bahnen in die Räume gebrochen zu haben, die Grenzen sind verschoben.
3) Eingriff ins Stromnetz N° 4
Eine Seilleuchte aus dem Straßenbau liegt mit ihrer offenen Leuchtröhre nach oben weisend auf dem Boden und verbreitet gelb getöntes Licht. Sie ist durch lange Kabel mit einer Deckenleuchte des Raumes verbunden und wird so mit Strom versorgt. Doch die Energiezufuhr reicht für ihr Licht nicht aus, so daß ein permanentes Flackern den Raum durchdringt. Zudem werden die Deckenlampen ebenso in ihrer Leuchtkraft beeinträchtigt. Die auf dem Boden liegende offene Lampe, erinnert zunächst an einen Unfall, ein Sturz, verursacht durch fehlerhafte Montage. Blickt man zur Decke, um den ursprünglichen Platz zu suchen, fehlt jedoch die erwartete Lücke.
In dieser Arbeit greift Ulrike Möschel ein stets wiederkehrendes Element auf: Licht und seine räumliche Wirkung. Der Betrachter wird mit einem Störfaktor konfrontiert, einer Lampe, deren penetrantem Flackern er sich nicht entziehen kann. Sie ist anscheinend keiner Funktion unterworfen und stellt dennoch einen deutlichen und sogar beeinträchtigenden Eingriff in das Stromnetz dar. Auch in dieser Arbeit werden Räume in Frage gestellt, Unten und Oben, außen und innen verschoben.
4) Etüde N° I (Videoarbeit)
Vor dunklem Nachthimmel tritt eine weiß leuchtende Straßenlaterne hell hervor, die in kurzen Abständen von verschwommenen, vertikalen, sich von links nach rechts bewegenden Streifen überlagert wird. Dazu ertönen auf einer Orgel auf- und absteigende Tonleitern. Die Szene beinhaltet etwas Dämonisches. Die Laterne scheint seltsam vor und zurück zu schwappen, die grauen Streifen erinnern an Filme aus den ersten Tagen des bewegten Bildes und zugleich erwecken sie den Eindruck von Gitterstäben eines Käfigs. Das scheinbare Schwanken der Laterne, der bewegte Streifen und die fehlerhaften Skalen, deren Tempo ebenso zunehmend schwankt, dies alles überträgt sich auf den Betrachter, der selbst ein Gefühl des Schwindels erfährt.
5) Zeichnungen
In den sehr vielschichtigen und komplexen Zeichnungen beschäftigt sich Ulrike Möschel u.a. mit kunsthistorischen Zitaten, Architekturfragmenten, figürlichen Szenerien, mit abstrakter Formensprache und persönlichen Erinnerungen. Dabei bedient sie sich auch hier eines großen Spektrums an Techniken und Materialien. Ihre Zeichnungen haben sich in den letzten Jahren zu einem eigenständigen, von den installativen Arbeiten losgelösten und umfangreichen Werkblock entwickelt.